Presse / Reviews

GOG MAGOG 4: Europe (internil)

Basically a rumination on ‘crisis’ from the perspective of Europe, Gog/Magog 4 is a truly terrifying gesture […]. Not content with mere fear or immunisation in synthetic drama, artists are going deeper to mine the darker parts of humanity’s current expression, with the artist becoming the human – often soothing – front to a truly desperate global discourse. […] The unholiest of these streams, and one which pushes the posthumanist argument of Gog/Magog 4 to its end, is Marina Miller Dessau’s eerie inhabiting of a newly-designed Japanese robot being presented to the public for the first time. I’ve always found something inherently theatrical about seeing a human impersonate a robot. Something about animating the inanimate. I find it even more disturbing than the constant stream of media narratives threatening the opposite (robots successfully impersonating humans). Here, Dessau achieves a breath-taking level of empathy with the ‘character’, truly dead behind the eyes, and achieving a truly spellbinding effect as the robot sings her first song, characteristically Bjork’s famous A.I anthem All is Full of Love. […]theaterstück 21.05.2018 Richard Pettifer

GOG MAGOG 3: ISRAEL (internil)

Die Verwirrung ist groß, mental und emotional. Die Ursache: eine erdrückende Fülle gegensätzlicher Anschauungen und starker Emotionen, vorgetragen in Erzählungen und Bildern um ein künstliches Lagerfeuer herum. Das Tohuwabohu eines ganzen Landes, Israel, im eigenen Kopf beschwören ein Mann und zwei Frauen herauf. Sie tragen subjektive Erlebnisse und Erkenntnisse vor, welche in Summe den ideologischen Nährboden zweier feindlicher Lager ausmachen und gleichzeitig den schreienden Protest dagegen. […] Ein starkes Stück. Süddeutsche Zeitung 16.06.2019 Eva-Elisabeth Fischer

„Desinformationskampagne“ nennen Internil ihr Genre und hauen dem Publikum die Narrative der Konflikt-Parteien um die Ohren, dass ihm Hören und Sehen vergeht – auf dass es anfange zu denken. […] Internil bedienen sich für ihre Performances aus einem riesigen, selbst aufgebauten Archiv politischer Propaganda, die sie im Internet aufspüren. Sie übersetzen die politischen Erzählungen, die vom Vortrag des ehemaligen israelischen Außenministers bis zur wirren Verschwörungstheorie reichen, ins Theater, indem sie sie verkörpern. Die Performer*innen Marina Miller Dessau, Hori Izhaki und Arne Vogelgesang synchronisieren stumm ablaufende Videobilder, überprüfen ihre Texte also sozusagen physisch, verfremden sie gleichzeitig zur besseren Analysierbarkeit, indem sie sie neu kontextualisieren.nachtkritik 07.12.2017 Sophie Diesselhorst

GOG MAGOG 1: Ukraine (internil)

Internils Fahne freilich ist das metaphorische Banner der Performancekunst. Und deshalb wird hier im Theaterdiscounter auch nicht gekämpft. Es wird nicht rekrutiert. Es wird vielmehr reflektiert. Reflektiert vor allem über das Ende der Reflexion. Denn die Performer entwickeln eine stets wachsende dia­bolische Freude über die dürftige Basis der Faktengebäude, die Teilnehmer und Beobachter von Konflikten über ebendiese Konflikte gewinnen – und das auch noch in paradoxem Widerspruch zur steten Zunahme von Überwachungstechnologien und -mentalitäten. […] Internil-Performerin Marina Miller Dessau erzählt sie nun per Channel-Technik uns. Auf ihre Kopfhörer ist der O-Ton gelegt, den sie in einer Sprache ihrer Wahl – sie beherrscht Russisch, Deutsch und Englisch – aus dem Mund quellen lässt. Dazu gibt es ein Bild Bulatows und die deutsche oder englische Übersetzung. Zudem werden Miller Dessaus Bewegungen, mit denen sie Bulatow nachahmt, noch getrackt, was man auf einem Monitor neben ihr sehen kann. Man hat Auswertungsdaten auf vielerlei Ebenen. Ob die Geschichte aber stimmt, ob der Zeuge ein Zeuge ist oder nur ein (Des-)Informationstroll, das weiß man nicht. Ebenso wenig weiß man es bei den anderen Zeugen, die Miller Dessau aufruft.taz 28.01.2017 Tom Mustroph

Aggroprolypse (internil)

Gemäß dem eigenen Wahlspruch: „Wir spielen nach, was uns vorgemacht wird!“ haben sich die PolitperformerInnen von internil auf Facebook umgesehen und einiges an Selfie-Videos und sogenanntem Hate Entertainment, das sich im wohl größten sozialen Netzwerk so herumtreibt, herausgefischt. Und da scheint wirklich nichts unmöglich. In Aggroprolypse treffen diese in ihre Handys monologisierenden Selbstdarsteller unterschiedlichsten Couleurs auf die vor einem Laptop sitzende Performerin Marina Miller Dessau, die deren Texte aus den Videos in Duktus und Sprachfärbung reenacted, als würde sie sie gerade selbst ins Netz einspielen. […] Währenddessen kann das Publikum per Beamer-Projektion in die FC-Profile der jeweiligen User schauen. Mit einer speziellen Computersoftware wird live die Gesichtsmatrix der Performerin vermessen und schließlich mit den Facebook-Identitäten verschmolzen. Das Ganze schwebt zwischen latentem Unbehagen, Lächerlichkeit und am Ende sogar etwas Trauer über die Einsamkeit dieser Menschen, die mit ihren verqueren Botschaften nach draußen dringen wollen.KULTURA-EXTRA 25.10.2016 Stefan Bock

Ihre Selbstaussagen sind erschreckend, ihre Aussagen bedrücken. Die Produktion zeigt auch den animierten Kopf der Performerin, die sich dreht und wendet, ihre Augen und Nase werden in dem Programm leicht verändert: Der Monolog hat viele Gesichter.taz 27.10.2016 Verena Krippner

Ironisch gebrochen wird diese Phalanx der Besorgten nur durch deren minimalistische Nachstellung von der Schauspielerin Marina Miller Dessau auf der Bühne. Doch bleiben es Wahn-Monologe, die bedrücken. „Aggroprolypse“ gehört […] zu den aufwühlenden Momenten der ersten Festivaltage.Berliner Zeitung 24.10.2016 Doris Meierhenrich

Staatenlos (internil)

Der Verzicht auf das Label Totschläger und Waffennarren bewirkte, dass man sich stärker auf das Denken der Protagonisten einlassen konnte. Das […] machte deutlich, dass einer Gesellschaft, die ihren Vertrag auf Chancengerechtigkeit nicht einhält, die Leute davonlaufen. Sie landen dabei nicht mehr in den alten Empörungsinstitutionen der Sozialdemokraten, Sozialisten oder Anarchisten, sondern bilden ganz eigene Netzwerke. Die kann man bekämpfen. Man kann aber auch so etwas wie „Fluchtursachenforschung“ betreiben. „Staatenlos“ ist ein […] Schritt in diese Richtung. – taz 16.10.2017 Tom Mustroph